Hallo Silke,
Interessanterweise haben alle Welpen die Schreckhaftigkeit und eine "gewisse Unsicherheit" der mangelhaft sozialisierten Mutter "übernommen", trotz idealer Aufzuchtbedingungen und sehr guter Sozialisation.
Die Erblichkeit von Verhaltensweisen ist ja verglichen mit der Erblichkeit von äußeren Merkmalen recht gering, aber davon haben ausgerechnet Scheu und Aggressivität die größte Vererblichkeitsrate. Aggressivität noch deutlich mehr als Scheu. Es würde mich daher nicht wundern, wenn die von Heidi erwähnten Welpen das Verhalten der Mutter geerbt haben.
Aber noch ein anderer Aspekt spielt da mit: Die Welpen gucken sich natürlich das Verhalten bei der Mutter ab und übernehmen alles, was ihnen von ihr vorgelebt wird. Ein Klassiker ist da z.B. Gewitterangst. Sowas kann von Generation zu Generation weitergegeben werden, ohne dass es irgendwie genetisch verankert wäre. Zwingertradition nennt man das.
Daher sollte man gerade bei der Auswahl einer Zuchthündin noch sehr viel kritischer sein als bei Rüden.
Ein gewisses Maß an Zurückhaltung und Mißtrauen ist ja normal bei den AH und von den Schäfern auch eher erwünscht. Der Hund soll in der Furche bleiben und nicht kontaktfreudig zu Spaziergängern laufen. Ich erinner mich an ein Leistungshüten, da war die Hütehündin eher an den Zuschauern als an den Schafen interessiert, das war dem Schäfer hochnotpeinlich. Es wurde glaube ich damit erklärt, dass die Hündin gerade läufig und derzeit besonders anlehnungsbedürftig sei, sie sei sonst nicht so kontaktfreudig... Naja... Zu scheu und ängstlich ist natürlich auch nicht brauchbar, man stelle sich vor, der Hund läuft aus Angst vor einem Geräusch von der Arbeit weg.
Du wirst aber nicht viele Schäfer als Abnehmer haben, sondern vorwiegend Privathalter. Manche können dieses Verhalten akzeptieren und damit umgehen, etliche aber auch nicht, zumal ja oft noch eine Portion Verteidigungstrieb dazukommt (kann bei Liesa auch noch kommen, sie ist ja noch nicht "fertig"). Nicht umsonst sind die ewig freundlichen, geradezu aufdringlich kontaktfreudigen Golden und Labrador Retriever so beliebte Familienhunde geworden.
Bei Liesa wirst Du wahrscheinlich nie sicher sein, welche ihrer Wesenszüge sie genetisch mit sich bringt und welche sie der schlechten Sozialisierung zu verdanken hat. Also, mir wär das zu heikel.
Wie Heidi schon schrieb, können AH ziemlich fruchtbar sein. Mit Würfen bis zu 12 Welpen muß man rechnen. Hast Du für so viele Welpen verantwortungsbewußte Abnehmer? Hast Du Platz, Zeit und Geld, die "Übriggebliebenen" zu behalten und angemessen zu versorgen? Weißt Du, dass Du auch als "Gelegenheitszüchter" gesetzlich zu einer zweijährigen Gewährleistung für Deine "Ware" verpflichtet bist? Was, wenn Dir aus irgend einem Grund "mangelhafte" Hunde zurückgegeben werden? Kannst Du die auch behalten? Hast Du genug Geld für den Fall, dass Du für tierärztliche Behandlungen der von Dir verkauften "mit Mängeln behafteten Ware" geradestehen kannst? Es gibt vielleicht nicht viele Leute, die an den/die Züchter/in ihres Hundes Regressansprüche stellen, aber sowas sollte man unbedingt einkalkulieren, es
kann ja passieren.
Weißt Du, wie Deine Hündin an der Herde ist? Würde sie eine Zuchttauglichkeitsprüfung bestehen? Würde sie zum Erhalt der Altdeutschen HÜTEhunde beitragen können oder evtl. nur einen Haufen netter Altdeutscher ???-hunde in die Welt setzen?
Ist halt nicht so einfach mit dem "mal einen Wurf machen", jedenfalls nicht, wenn man verantwortungsvoll denkt und handelt.
Hast ja noch Zeit zum Überlegen, aber überleg Dir das bitte GUT.
Grüße
Briddy
Man hat's nicht leicht, aber leicht hat's einen.